Die Reise beginnt in Bern, der Schweizer Bundesstadt mit ihrer mittelalterlichen Altstadt, die seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Von dort führt die Route auf der A1 ostwärts in Richtung Luzern, vorbei am Sempachersee und durch das Schweizer Mittelland. Die Gesamtstrecke bis nach Punta Ala beträgt rund 730 Kilometer bei einer reinen Fahrzeit von 8 bis 9 Stunden.
Kurz nach Luzern beginnt der eindrücklichste Abschnitt der Schweizer Etappe. Die A2 führt durch die Urschweiz, entlang des Vierwaldstättersees und durch die Schöllenenschlucht hinauf nach Göschenen, dem Nordportal des Gotthard-Strassentunnels. Die Durchfahrt durch die 16,9 Kilometer lange Röhre dauert rund 12 bis 15 Minuten.
Der Tunnel gehört zu den meistbefahrenen Alpentransversalen überhaupt — jährlich rollen rund 5 Millionen Fahrzeuge hindurch. Aufgrund der dicken Gesteinsüberdeckung beträgt die Temperatur im Innern auch im Winter bis zu 35 °C. Wer auf der Südseite aus dem Berg tritt, hat nicht nur einen Alpenkamm hinter sich gelassen, sondern eine ganze Klimazone: Das Tessin empfängt mit milderen Temperaturen, Palmen und dem unverkennbaren Licht des Südens.
Fun Fact: Der Strassentunnel war bei seiner Eröffnung 1980 der längste der Welt. Schon der erste Eisenbahntunnel von 1882 trug denselben Rekord.
Nach dem Tunnel taucht man ins Tessin ein. Bellinzona, die Kantonshauptstadt mit drei UNESCO-geschützten Burgen, grüsst am Strassenrand. Kurz darauf, bei Chiasso, überquert man die Staatsgrenze nach Italien.
Von Mailand aus — die Metropole wird auf der nördlichen Tangenziale umfahren — beginnt eine der legendärsten Fahrstrecken Europas.
Ab Mailand übernimmt die A1, besser bekannt als Autostrada del Sole, die Sonnenmotorstrasse. Sie wurde 1964 als erste durchgehende Autobahn Italiens eröffnet und verbindet auf 754 Kilometern Mailand mit Neapel — direkt durch das Herz der Halbinsel.
Die Strecke ist mehr als bloss Infrastruktur: Sie ist ein Stück italienische Nachkriegsgeschichte, Symbol des miracolo economico, des Wirtschaftswunders der 1960er Jahre. Wer sie fährt, passiert die Apenninen, Florenz und das sanfte Hügelland der Toskana. Kurz vor Florenz gabelt sich die Route — hier verlässt man die A1 und taucht in toskanische Nebenstrassen ein, die über Siena und das Val d'Orcia nach San Gimignano führen.
Fun Fact: Die Autostrada del Sole war bei ihrer Eröffnung die längste Autobahn der Welt. Der Name ist keine Marketingerfindung — die Trasse folgt dem sonnenverwöhnten Rückgrat Italiens von Nord nach Süd.
Etwa auf halbem Weg zwischen Florenz und Siena, rund 570 Kilometer nach dem Start, liegt der ideale Zwischenstopp. Die Stadt fasziniert durch ihre mittelalterliche Skyline mit heute noch 15 erhaltenen Geschlechtertürmen. Im Mittelalter waren es insgesamt 72 — Statussymbole einflussreicher Familien, die sich gegenseitig in der Höhe ihrer Bauten zu übertrumpfen versuchten. Seit 1990 zählt das Stadtzentrum zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Nach dem Mittagessen — Pici al cinghiale, dazu ein Glas Vernaccia di San Gimignano, dem einzigen Weisswein der Toskana mit DOC-Auszeichnung — führt der Weg durch die engen Gassen zum Markt: Trüffel, Olivenöl und das weltberühmte Eis der Gelateria Dondoli warten auf hungrige Reisende.
Wer noch Zeit hat, lohnt ein Abstecher zum Weingut Poderi Arcangelo in der Lokalität Capezzano ausserhalb der Stadtmauern — Weinprobe mit Blick auf die Türme inklusive.
Von der Toskana zur Küste geht es auf der SS1, der Via Aurelia. Diese Strasse ist kein modernes Strassenbauwerk, sondern eine der ältesten Überlandverbindungen der Welt: Sie wurde 241 vor Christus von den Römern angelegt, um die Hauptstadt mit dem Nordwesten des Reiches zu verbinden, und trägt den Namen des Zensors Gaius Aurelius Cotta.
Auf 690 Kilometern folgt die Via Aurelia der tyrrhenischen Küste von Genua bis nach Rom. Der Abschnitt durch die Maremma — die wilde, ursprüngliche Südtoskana — gehört zu den schönsten Küstenstrassen Italiens überhaupt: zur Linken immer wieder Blicke aufs Meer, zur Rechten Pinienwälder, Zypressenalleen und vereinzelte Gutstürme auf den Hügeln. Die Strasse ist schmal und kurvenreich, aber genau das macht sie zum Erlebnis.
Fun Fact: Auf der Via Aurelia stehen noch heute vereinzelte römische Meilensteine — miliari — die einst die Entfernung nach Rom angaben. Die Römer rechneten in milia passuum, tausend Doppelschritte, woraus unser Begriff «Meile» entstanden ist.
Das letzte Stück der Via Aurelia führt auf die Halbinsel Punta Ala, einem exklusiven Küstenort mit Yachthafen in der Provinz Grosseto. Der Campingplatz Baia Verde liegt direkt am Meer, eingebettet in einen jahrhundertealten Pinienwald. An klaren Tagen hat man freien Blick auf die Insel Elba — dieselbe Insel, auf der Napoleon Bonaparte nach seiner ersten Abdankung 1814 im Exil lebte.